[b][u]Dexter & Tod Kapitel 2 - Jger und Gejagter[/u][/b]
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Noch sa der Muserich Tod in seinem Bau und putzte sich, um die Schlfrigkeit zu vertreiben. Wie jeden anderen Tag auch, wrde er heute wieder auf Futtersuche gehen. Bis zum Winter ist es zwar noch lange hin, also msste er sich mit dem Anlegen eines Vorrates noch nicht beeilen, aber es kann auch nicht schaden schon mal etwas vorzusorgen. Zudem hatte ein gut fr die harte Jahreszeit gersteter Muserich bei der Damenwelt eine gute Chance Eindruck zu schinden. Das und dich Aussicht bei Schneefall nicht verhungern zu mssen, wahren Grund genug die tglichen Gefahren und Strapazen auf sich zu nehmen. Und so wagte sich die kleine Maus aus der Sicherheit seiner Hhle in den Wald hinaus.

Dass sein Bau genau in Dexters Territorium lag, und somit mitten im Streifgebiet eines Fuchses - dem Erzfeind einer jeden Maus, war zwar nicht gerade vorteilhaft, aber bisher hatte Tod es noch immer geschafft ihm ein Schnippchen zu schlagen. Er war sich sicher, dass er es auch heute wieder schaffen wrde, sollte der alte Fuchs auftauchen. Nichts desto trotz blieb er stets wachsam.

Der Wald war zu dieser Jahreszeit reich an Futter. Es gab viele Grser und Pilze die essbar waren. Unzhlige Insekten, bei denen man nur flink genug sein musste, um sie zu erwischen, warteten darauf, gefressen zu werden. Einige Pflanzen trugen bereits Frchte oder Samen. Gerade eben kreuzte sich Tods Weg mit dem einer fetten Raupe, die er sich schmecken lie. Natrlich zogen die kleinen Tiere, welche vom ppigen Nahrungsangebot des Frhjahres aus ihren Verstecken gelockt wurden, selbst die greren Tiere des Waldes an, was den Frhling gleichsam zu einer Zeit des berflusses, aber auch zu einem gefhrlichen berlebenskampf machte. So hatte Tod den Fuchs Dexter und seinen jngeren Freund seit der gestrigen Versammlung nicht mehr gesehen, aber man erzhlte sich, dass die beiden, nahe der Eiche, zusammen ein Kaninchen gerissen haben.

Gerade dachte die Maus an das Schicksal des Hasen, als ber ihr etwas raschelte und sie erschrecken lie. Vorsichtig blieb Tod stehen, um den scharfen Blicken eines Vogels, der sich vielleicht auf einem Ast niedergelassen hatte, zu entgehen. Eine berstrzte Flucht knnte ihn jetzt verraten. Langsam schob er seinen Kopf nach oben, um zu ersphen, was das Gerusch verursacht hatte. Immerhin: Bis jetzt hatte er noch kein Zwitschern oder Vogelschreie hren knnen.

Das einzige, was er noch sehen konnte, war wie ein kleines, rotes Etwas um einen Baumstamm herumflitzte und sich so seiner Blicke entzog. Ein Vogel war das nicht, soviel wusste Tod bereits, aber seine Deckung verlie er erst, als sich das kleine, rote Etwas zeigte und er wusste, dass keine Gefahr bestand.

He, Tod!, grinste das Eichhrnchen zu ihm herunter. Es war dasselbe Eichhrnchen, dass Tod gestern bei seiner Flucht behilflich war, und er kannte es gut.

Hey, Rudi! Was machst du denn hier? Du hast mich ganz schn erschreckt. Ich dachte schon, du wrst ein Vogel, gestand Tod ein.

Das Eichhrnchen Rudi, dass sich auf dem tiefhngenden Ast einer jungen Erle niederlie, um keine Aufmerksamkeit auf seinen Freund zu lenken, der zwar gut klettern konnte, im Gegensatz zu ihm aber nicht fr ein Leben in den Bumen geschaffen war, sprach mit gesenkter, aber heiterer Stimme: Dann hast du wenigstens aufgepasst.

Immer doch!

Dann solltest du vielleicht besonders in dieser Richtung aufpassen, warnte Rudi ihn und deutet in den Wald hinter der Maus. Der alte Dexter streunt hier in der Gegend herum. Ich hab ihn eben noch ganz in der Nhe gesehen!

Danke, fr die Warnung, Rudi.

Gerne!

Du hasts dem alten Rotschopf gestern brigens ganz schn gezeigt!, sagte Tod und sah sich nach dem lauernden Fuchs um.

Rudi kicherte. Immer doch!, erwiderte er und krabbelte, flink wie eine Spinne, den Baum hinauf. Pass auf dich auf!, rief er Tod noch zu, bevor er ber den langen Ast eines benachbarten Baumes kletterte und in den Baumgipfeln verschwand.

Durch seinen treuen Freund gewarnt, suchte Tod schnell Zuflucht im Unterholz. Der hohe Farn bot guten Sichtschutz und die zahlreichen, alten, am Boden liegenden ste der Bume eigneten sich, um etwaige Verfolger zu behindern, whrend er schnell unter ihnen hindurchlaufen konnte. Die Maus glaubte sich dem Fuchs zwar berlegen, dennoch war es nie gut ein unntiges Risiko einzugehen. Erst recht nicht, wenn sein Leben davon abhing.

Um bei seiner Entdeckung einen mglichst kurzen Weg zurck zu seinem Bau zu haben, beschloss Tod, sich wieder auf den Rckweg zu machen. Besser einen Tag ohne Futter unter der Erde aussitzen, als selbst zum Futter zu werden. Doch noch bevor Tod allzu weit kam, sah er auch schon Dexters roten Pelz zwischen den Bumen und Struchern hin und her streifen.

Mit spitzen Ohren und gesenkter Rute schritt Dexter leichtfig durch den Farn, die Nase nahe am Boden. Eifrig schnupperte er nach dem nchsten Unglcklichen, der seine Beute werden sollte. Vielleicht hatte er sogar schon Tods Witterung aufgenommen und war der Maus hierher gefolgt? Es wre nicht das erste Mal, dass der alte Fuchs Tod gezielt auflauerte oder, wenn schon nicht aus Jagdtrieb, ihn einfach zum Spa durch den Wald hetzte. Zu oft hatte der kleine Nager schon des groen Fuchses Stolz verletzt und ihn zum Narren gehalten.

Sofort sah Tod sich um, suchte nach einer Mglichkeit sich zu verstecken. Doch abgesehen vom Farn und den sten bot der Wald an dieser Stelle keinen geeigneten Schutz vor dem Fressfeind. Immer nher kam ihm der Fuchs, und Tod wusste, dass er schnell und leise sein musste, um ihm noch zu entkommen. Zum Glck lag der grte Vorteil einer Maus darin, besonders klein, flink und wendig zu sein. So gelang es ihm, sich zwischen den Farnblttern hindurchzuwinden, ohne diese zum rascheln zu bringen. Aber all sein Knnen half Tod in dieser Lage auch nicht weiter, denn der Fuchs hatte lngst schon seinen Geruch wahrgenommen und wartete nur noch auf seine Gelegenheit.

Und als sie gekommen war, schnellte der immer noch agile Jger mit einem mchtigen Satz in die Hhe und stie seiner baldigen Mahlzeit mit den Vorderpfoten entgegen. Aus der Ferne sah man nur einen roten Rcken kurz ber dem Farn aufragen und hrte dann ein leises Rascheln der Bltter. Tod aber hrte das Grn um sich herum toben, als Dexters Pfoten auf ihn herab sausten. Nur um Haaresbreite gelang es ihm dem gefrchteten Maussprung seines Feindes zu entgehen.

Doch damit allein war die Gefahr nicht gebannt. Ohne zu zgern schoss Dexter der flchtenden Maus hinterher, die all ihr Geschick und ihre Strke einsetzte, um dem Tode durch Fressen zu entrinnen.

Der Farn, welcher ihn zuvor noch vor dem Prdator zu verbergen vermochte, bot nun so gut wie gar keinen Schutz mehr. Eher gegenteilig verhielt es sich, als Tod mhevoll den Basen der Gewchse ausweichen musste, whrend sein Verfolger einfach ber sie hinweg schritt. Auch die ste konnten den Fuchs, der ber die Jahre hinweg nichts von seinem Geschick und seiner Listigkeit eingebt hatte, nicht lange aufhalten.

Warte nur, bis ich dich erwische, Maus!, klffte Dexter, dicht hinter ihm. Schneller und schneller holte er zu Tod auf. Wenn ich dich erst mal zwischen die Zhne kriege, wirst du dir noch wnschen, ich htte dich schon bei unserer ersten Begegnung aufgefressen! Du glaubst doch wohl nicht, dass ich dir den Abgang leicht mache, du zu kurz gekommene Ratte?!

Und whrend Dexter Tod weiter wst beschimpfte und ihm auf ausfhrlichste Weise beibrachte, was er denn alles mit ihm anstellen wrde, wenn er ihn erst einmal geschnappt htte, rannte die kleine Maus um ihr Leben. ber und unter den sten und Wurzeln hindurch suchte er sich seinen Weg und versuchte den Fuchs bei jeder sich bietenden Gelegenheit abzuschtteln. Er kletterte durch Strucher und Dornenbsche und wand sich durch einen Haufen Steine, in der Hoffnung seinen Verfolger verwirren und entkommen zu knnen, aber so leicht lie sich Dexter nicht an der Nase herum fhren.

Dann aber endete die wilde Verfolgungsjagt abrupt.

Als Tod versuchte einen Baumstamm zu berspringen, der seinen Weg blockierte, und dessen Umrundung ihn vermutlich nicht nur seinen kostbaren Vorsprung sondern auch sein Leben gekostet htte, rutschte er auf der seltsam glatten Oberflche ab. Noch immer auer sich von der kraftraubenden Hatz und orientierungslos durch den Sturz, begriff Tod seine Lage erst, als er zwischen die ste des Stammes rutschte und diese sich, zu seiner Verwunderung, ganz und gar nicht wie Holz anfhlte, als er gegen sie prallte. 

Sein Fall war noch nicht ganz zu ende, da sprte Tod, wie sich der glatte und viel zu weiche Stamm um seinen kleinen Krper schlang und ihn fest umklammerte. Aus dem Augenwinkel heraus konnte er noch Dexters roten Pelz sehen, der kurz vor ihm zum Stehen gekommen war, bevor sich der gewaltige Kopf des Wesens, welches ihn festhielt, vor ihm erhob und seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Khl und starr glotzten ihn die beiden dunklen Augen an, whrend die gespaltene Zunge zwischen seinem Maul hervorzischelte.

